Archiv des Autors: wurfmaul78

Kein Wetter für Architekturaufnahmen

Seit ein paar Wochen herrscht hier im Rheinland Regenwetter und ich hatte im August noch nicht die Gelegenheit bei bestem Wetter Architekturaufnahmen zu machen.

Dennoch versuche ich meine Kamera immer mit dabei zu haben und am heutigen Tag habe ich ein wirklich tolles Gebäude entdeckt. Wir haben trotz schlechtem Wetter einen Ausflug nach Hennef gemacht und im dortigen Stadtkern befindet sich ein sehr schönes historisches Rathaus mit einem modernen Anbau.

Da man offensichtlich Platzmangel hatte, baute man als Zubau zum historischen Rathaus von 1912 ein Langgebäude hinter dem historischen Rathaus plus eine Überführung über die Straße mit einem modernen vierstöckigen Betonbau oben drauf.

Ich liebe diese symmetrischen Gebäude aus Sichtbeton mit Ihren vielen Fenstern aus Glas. Für mich strahlt dieser Zubaue Klarheit und Transparenz einer modernen Stadtverwaltung aus.

Das Gebäude inklusive des Langhauses wurde von den Kölner Architekten Peter Böhm geplant und für 20 Millionen Euro gebaut. Seit der Eröffnung des Gebäudes befinden sich wieder alle Dienstleistungen des Rathauses unter einem Dach.

Bei den von mir fotografierten Gebäudeteilen war vor allem der Umgang mit den Stürzenden Linien eine wahre Herausforderung. Der Abstand zwischen Aufnahmeort und den Gebäuden war leider nur sehr kurz und so musste ich bei Regenwetter Überkopf und ohne Stativ fotografieren.

Da werde ich bei besserem Wetter sicher noch einmal hinfahren und die Lichtverhältnisse und den idealen Standpunkt für die perfekte Aufnahme auskundschaften.

Stay tuned!

Euer Gerhard

Links:

http://www.german-architects.com/de/Peter_Boehm_Architekten

http://hennef.de/index.php?id=1365

Rahaus Hennef 1912 Rathaus Hennef 1999

 

Und wieder die HOLGA

Am vergangenen Samstag war es wieder soweit, endlich hatte ich die entwickelten Bilder meiner HOLGA Kamera in der Hand. Ich hab jetzt schon länger nichts mehr über die HOLGA geschrieben, weil Ihre Einsatzmöglichkeiten in der Tat eingeschränkt sind.

Was meine ich damit:

  • Man kann nur auf Gefühl fokussieren, hat klarerweise keinen Autofokus, keinen Schnittbildindikator, keine wirkliche Abstandsanzeige

  • Der Bildausschnitt entspricht niemals dem Bild welches man durch das Guckloch sieht

  • Auf einem Bild findet man Anteile des nächsten Bildes weil der Filmtransport gefühlt eine Glückssache ist

  • Die Belichtung ist kaum beeinflussbar und ob die F 8.0 bei einer Plastiklinse und der ungefähren Verschlusszeit bei 100sec bei ISO 400 wirklich stimmt wird ein ewiges Rätsel bleiben.

Dennoch hat es mir Spaß gemacht einfach sinnlos einen Film zu verballern und lustig, kreative Bilder auszuprobieren.

Die in Blogs oft vorgestellte Funktion der Doppelbelichtung hat mich dann aber doch dazu gereizt eine Bildidee auszuprobieren.

Wir haben bei uns im Garten eine alte Parkbank und ich wollte meine Verlobte darauf zweimal in unterschiedlichen Positionen ablichten. Ich positionierte ein Stativ ungefähr eineinhalb Meter vom Motiv entfernt, setzte die HOLGA drauf und drückte zweimal ab.

Sicherlich kann man das Ergebnis nicht mit der Doppelbelichtung einer DSLR Kamera vergleichen, darum geht es aber auch nicht. Als Nutzer einer HOLGA „Lomo“ Kamera bin ich nicht auf Perfektion aus, ich bin Enthusiast und habe Spaß am puristischem fotografieren ohne gängige Konventionen.

Ich kann nicht sagen, warum ich mit den HOLGA Bildern so eine Freude habe, vielleicht ist es ein Stück kindliche Freiheit die ich mir dadurch bewusst nehmen kann.

Zu den Kosten:
Natürlich kostet der Kauf und die Entwicklung des 120er Films ein paar Euro, aber ich kauf doch keine HOLGA um mich danach über die Kosten zu beschweren. Die HOLGA ist eine absolute Spaßkamera und ein paar Filme im Jahr sind gegenüber meinem Budget vertretbar.

Hmm, ob ich mir jetzt noch eine DIANA Lomo Kamera kaufen soll?

Stay tuned, Euer Gerhard!

 

HOLGA Doppelbelichtung

HOLGA Doppelbelichtung

 

 

Buch Rezension: Architektur für Einsteiger

Wenn man Grundlagen der Fotografie lernen und verstehen möchte, so gibt es neben der reinen technischen Betrachtung auch den künstlerischen Zugang (Bildgestaltung, Perspektive, Lichtführung).

Der künstlerische Zugang zur Fotografie ist wahrscheinlich der wichtigere, weil die Perzeption des Bildes durch den Betrachter weniger eine technische, denn mehr eine kulturgeschichtlich geprägte Wahrnehmung und Interpretation des abgebildeten Motivs ist.

Einen Tipp den ich von Profifotografen erhalten habe, war der Hinweis, dass man Museen besuchen und sich mit der Geschichte und den Regeln der diversen Kunstepochen, welche unsere Wahrnehmung geprägt haben auseinandersetzen sollte. Das selbe gilt auch für Fachbücher die dieses Wissen vermitteln wollen.

Nachdem ich mich verstärkt für Architektur Fotografie interessiere, hab ich mir vor Kurzen das Buch ‚Architektur für Einsteiger‚ gekauft und mich in die Grundlagen der Architektur eingelesen. Das Buch hilft mir die fotografierten Gebäude in Ihrer Substanz besser zu erfassen und die Gedanken des Architekten beim Entwurf des Gebäudes besser zu verstehen.

Die bewusste Auseinandersetzung mit Form, Inhalt, verwendeter Materialien und zeitlicher Einordnung der Bausubstanz schafft die notwendige Verbindung zwischen dem Gebäude, den Gedanken des Architekten und Bauherrn und mir als Fotografen.

Die Autoren Rolf Schlenker und Katrin Grünewald legen ein kurzweilig geschriebenes Buch vor, welches anhand von den neuen wichtigsten Architektur-/Kunstepochen die geschichtliche Entwicklung der Architektur einfach erklären und spürbar machen. Zudem werden die wichtigsten Baumaterialien und deren Verwendung anhand von praktischen Beispielen und hinterlegten Illustrationen und Fotos erklärt.

Das im ‚Belser‘ Verlag erschiene Buch bietet die ideale Ergänzung zu meinen bereits vorhandenen Büchern zu Kunstgeschichte und Fotografie und liefert zudem einige geschichtliche Aspekte der Architektur die mir ohne dieses Buch verborgen geblieben wären.

Ich möchte dieses Wissen jetzt bewusster beim Fotografieren von Architektur einsetzen und in der Bildsprache zur Geltung bringen und empfehle dieses Buch zum Lesen.

Wie ist Euer Zugang zur Fotografie? Wie lernt Ihr?

Stay tuned!
Euer Gerhard

Zum Buch:
Autoren: Rofl Schlenker in Zusammenarbeit mit Katrin Grünewald
Verlag: Belser
ISBN: 978-3-7630-2588-6

Architektur für Einsteiger

Architektur für Einsteiger

Peter Coeln verkauft Mehrheit von Leica Shop, Leica Store und WestLicht Photographica Auktionen an Leica Camera AG

Eben ging die Pressemitteilung raus, daß Peter Coeln die Mehrheit (75%) der Leica Shop, Leica Store und WestLicht Photographica Auktionen an die Leica Camera AG verkauft hat.

Die WestLicht Photographica tauchte in den letzten Monaten vermehrt durch späktakuläre Kamera Auktionen in den Medien auf. So wurde zuletzt die Mond Kamera um 660.000,– EURO an einen Japaner versteigert.

Auszug aus der Pressemitteilung:

Peter Coeln hat knapp 75 Prozent der Anteile seiner Peter Coeln GesmbH, Wien, an die Leica Camera AG in Wetzlar verkauft. Er wird weiterhin als Geschäftsführer der Peter Coeln GesmbH vorstehen.
Beide Unternehmen werten die Transaktion als hervorragende Strategie für den weiteren Ausbau ihres Geschäfts. Die an die Leica AG verkauften Anteile betreffen den Leica Shop Wien und das Auktionshaus WestLicht Photographica Auction in der Westbahnstraße, außerdem den Leica Store nächst der Wiener Staatsoper. Über finanzielle Einzelheiten wurde zwischen den Parteien Stillschweigen vereinbart.
Dank der neuen Mehrheitsverteilung will die Peter Coeln GesmbH künftig verstärkt Synergien zwischen Leica und Leica Shop nützen sowie den erfolgreichen Kurs und den langfristigen Fortbestand der Peter Coeln GesmbH sichern.Vor 23 Jahren hatte Peter Coeln den Leica Shop in Wien gegründet – der weltweit erste seiner Art: spezialisiert auf Sammlerstücke, gebrauchte Geräte und Neuware aus dem Hause Leica. Die Firma hat über die vergangenen Jahre einen exzellenten Ruf als kompetenter An- und Verkäufer historischer Kameras, Fotografien und anderer Sammlerstücke aus dem fotooptischen Bereich aufgebaut und besitzt auch dank seiner Mitarbeiter eine weltweit einzigartige Markt- und Fachkompetenz.

Mit WestLicht Photographica Auction wurde das weltweit größte Auktionshaus für historische Kameras und Sammlerstücke geschaffen. Dabei wurden in der Vergangenheit viele Rekordpreise für Kameras erzielt, so auch der Weltrekord für die teuerste jemals verkaufte Kamera aufgestellt, eine Leica 0-Serie aus dem Jahr 1923 (2,16 Mio. EUR). Das seit zwölf Jahren aktive Auktionshaus, das auch erfolgreiche Fotoauktionen durchführt, ist Bestandteil der Peter Coeln GesmbH.

Das seit 2001 bestehende Fotomuseum WestLicht und die vor zwei Jahren gegründete Fotogalerie OstLicht GesmbH sind nicht von der Transaktion betroffen. Das Fotomuseum WestLicht wird auch in Zukunft mit Ausstellungen zur klassischen Fotografie, mit spannenden Themenausstellungen und der jährlichen World Press Photo Award-Schau Wiens wichtigster Ausstellungsort für Fotografie bleiben.
Die unabhängige Fotogalerie OstLicht wird sich weiterhin der zeitgenössischen Fotokunst widmen und ihre Position als Verkaufsgalerie für Fotografie weiter stärken. Die umfangreiche Fotosammlung wird in einem neuen Zentrallager in unmittelbarer Umgebung der Galerie OstLicht zusammengeführt und ist nicht Bestandteil des Verkaufs an die Leica Camera AG. Nicht tangiert vom Verkauf ist außerdem die weltweit einzigartige Sammlung an historischen Kameras, die im Fotomuseum WestLicht ausgestellt ist.

Link zur kompletten Pressemitteilung:
http://www.ad-hoc-news.de/leica-camera-ag-leica-camera-ag-uebernimmt-mehrheit-an–/de/News/37967901

Stay tuned!
Euer Gerhard

Die Zoofotografen

Ein Besuch der Zoom Erlebniswelt in Gelsenkirchen war eine gute Gelegenheit wieder ein paar Fotos zu schießen. Nachdem ich zur Zeit ohnehin keine Brennweite über 105mm besitze und die DSLR wiederum nicht mit mir herumschleppen wollte, entschied ich mich für meine Kompaktkamera.

Fotografische Motive gab es in diesem toll gestalteten Zoo genug und so konnte ich fröhlich drauf los knipsen. Zwei Dinge habe ich mir beim Tiere fotografieren gemerkt. Tiere bewegen sich bekanntlich sehr schnell, man braucht also viel Geduld um den richtigen Moment zu erwischen und gleichzeitig muss man bei entsprechend kurzer Verschlusszeit schnell fokussieren und abdrücken können.

Nachdem es vor Ort sehr schwül war und ich ohnehin ein ungeduldiger Mensch bin, die Kamera aufgrund Ihrer Kompaktheit logischerweise auch nicht schnell genug fokussieren konnte, gelang mir natürlich nicht jedes Motiv mit der gewünschten Bildaussage. Die zwei Bilder die mir am besten Gefallen möchte ich Euch jedenfalls nicht vorenthalten.

Bei näherer Beobachtung der Zoobesucher sind mir zudem zwei Fotografen Typen aufgefallen:

• Die ‚ZuVielGeldinderTascheHaber‘:  
Vor Ort waren überdurchschnittlich viel Hobbyfotografen mit Objektiven jenseits der 2.500,– EURO Grenze die den Zoo gar nicht bewusst wahrnehmen konnten.
Diese Fotografen Typen waren bei jedem Gehege nur zwischen fünf und zehn Sekunden vor Ort und knipsten was das Zeug hielt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei solch einem hastigen Fotografieren eine bewusste Bildaussage zu einem Motiv entstehen kann. Ich glaube vielmehr, dass es hier um die bekannte Materialschlacht ‚Wer hat die beste Kamera mit dem teuersten Objektiv ?‘ geht.

• Die ‚Smartphonefotografen‘:
Ich find die Körperhaltung der Smartphonefotografen höchst amüsant. Da sieht man Menschen jeglichen Alters die mit Smartphones alle möglichen und unmöglichen verrenkten Körperhaltungen einnehmen weil sie das kleine Display bei zu viel Sonne nicht mehr sehen können, oder die Arme in die Höhe oder Tiefe strecken um das Motiv wenigstens irgendwie einzufangen.
Wäre ich Karikaturist, würde ich Stundenlang im Zoo sitzen um all diese Menschen beim Fotografieren abzuzeichnen. Für den Streetfotografen könnten das auch spannende Motive sein, oder? Wäre auch einmal spannend zu erkunden wie viele Facebook Posts so pro Minute aus dem Zoo erstellt werden?

Ich kann mir vorstellen, daß Anthropologen und Soziologen genügend Studieninhalte vor Ort im Zoo finden würden. Menschen wie ich mit einer Kompaktkamera arbeiten müssen wohl schon zu den besonders unter ‚Artenschutz‘ zu stellenden Fotografentypen gehören, oder?

Viel Spaß beim Zoobesuch wünscht und wie immer ‚Stay tuned‘

Euer Gerhard

Link:

Zoom Erlebniswelt: www.zoom-erlebniswelt.de

 

Über Hummeln und Architektur

Das Dauer verregnete Wetter der letzten Tage lud nicht besonders zur Fotografie im Freien ein und dennoch nutzte ich das letzte Quäntchen Sonne am vergangenen Sonntag. Ich hatte mir fest vorgenommen einmal die Bonner Museumsmeile zu erkunden und ein paar Probeaufnahmen von der dortigen Architektur zu schießen.

Die dortige Architektur ist aufgrund Ihrer modernen und nüchternen Art einerseits total mein Geschmack und andererseits ist der Raum um die Gebäude so aufgeräumt, daß man das eigentliche Motiv nicht besonders freistellen bzw. hervorheben muss.

Ich muss dort noch ein zweites mal mit meinem Stativ hin und weitere Aufnahmen machen. Das angehängte Foto gibt schon einen ersten Eindruck von den sich darbietenden Motiven. Besonders die Jalousien der Fenster finde ich Aufgrund der unterschiedlich verlaufenen Schatten höchst spannend. Sie schaffen zur ansonsten ruhenden Architektur die notwendige Dynamik und Spannung im Bild.

Das Bild mit der Hummel auf der Sonnenblume ist an sich nichts besonderes, aber ich bin immer wieder überrascht welche Ergebnisse mit einer kleinen Kompaktkamera unter Verwendung des Automatikmodus erzielt werden können. Das Bild ist bis auf den Copyright Schriftzug gänzlich unbearbeitet und ich schätze die Flexibilität entscheiden zu können, ob ich eine schwere DSLR Ausrüstung mit mir schleppen, oder schnell eine Kompaktkamera einsetzen möchte.

Stay tuned!
Euer Gerhard

Link zur Museumsmeile:

http://de.wikipedia.org/wiki/Museumsmeile

Die FV Gedächtnistreppe

Wer sich mit Fotografie auseinandersetzt wird irgendwann mit diversen Fotos von tollen Treppenhäusern in Verbindung kommen. Ein Treppenhaus zu finden, welches noch nicht von hunderten Fotografen aus aller Welt fotografiert wurde kann durchaus eine besondere Herausforderung sein.

Ich habe die FV Gedächtnistreppe gewiss schon hundert mal benutzt, bewusst aufgefallen ist mir die Treppe bis dahin allerdings noch nicht. Am vergangenen Wochenende, nachdem ich das Gebäude erneut besucht hatte war es anders, ich hatte durch die fortwährende Auseinandersetzung mit der Fotografie einen schärferen Blick für Formen entwickelt und hab die Treppe aus verschiedenen Perspektiven vor die Linse genommen.

Die Kontraste waren aufgrund der Deckenfenster enorm und so konnte ich die Treppe nur am Abend mit einer Hohen ISO Zahl und einer weit geöffneten Blende halbwegs verwacklungsfrei fotografieren. Beim nächsten Versuch nehme ich dann das Stativ mit und schließe die Blende, damit ich auch eine ordentliche Tiefenschärfe habe.

Hier will ich mal zwei Perspektiven auf die Treppe zeigen, frage mich allerdings welches der beiden das bessere Bild ist?

Zum Gebäude: Das Gebäude ist nicht öffentlich zugänglich und befindet sich in einem Industrieviertel in Darmstadt

Stay tuned!
Euer Gerhard

 

 

sich Zeit lassen

Kürzlich hatte ich darüber geschrieben, dass es Sinn macht, manche Bilder einfach einmal liegen und wirken zu lassen, bevor man diese bearbeitet und veröffentlicht. Heute sah ich ein Schwarz/Weiß Bild eines Fotografen und hatte sofort mein eigenes Motiv, welches ich noch nicht entwickelt hatte in diesem Stil vor meinem geistigen Auge.

Das Bild lag jetzt fast ein Jahr unbearbeitet als RAW am Laufwerk und nun habe ich es in Schwarz/Weiß umgesetzt. Die liebe Krissi bekommt durch dieses Bild ganz eine andere Anmutung und ich bin froh, dass ich mir Zeit gelassen habe.

Viel Spaß beim sich Zeit lassen!
Euer Gerhard

Krissi

Krissi

 

Triptychon

Es ist wieder einmal Zeit ein aktuelles Bild von mir zu veröffentlichen und ein wenig zur Entstehung des Bildes zu erzählen.

Meine Verlobte erhielt von Freunden am Wochenende drei wunderschöne Rosen als Geschenk und diese gefielen mir dermaßen gut, daß ich beschlossen habe diese zu fotografieren.

Ich nahm mir meine Kamera und wechselte zuerst das Objektiv auf 50mm und wählte eine kleine Blende um den Hintergrund der Rosen in die Unschärfe zu bringen.

Das Ergebnis gefiel mir nicht, es war ein unruhiges Bild mit einer Pflanze im Vordergrund. Der Hintergrund mit den Möbeln der Wohnung war immer noch zu überfüllt und gab den Rosen nicht den gebührenden Raum im Motiv.

Wie konnte ich das Problem lösen?
Ganz einfach, ich nahm eine Decke im Wohnzimmer, breitete sie im Hintergrund aus und schaffte damit einen ruhigen ausgeglichen Hintergrund. Ich belichtete auf die weiße Rose, doch der Bildeindruck war mir insgesamt noch zu dunkel.

Nachdem der Sensor ja bekanntlich auf 18% Grau belichtet, entschied ich mich für eine Belichtungskorrektur von +2 EV.Die Belichtung war nun ausreichend und ich musste mich nur mehr mit der Tiefenschärfe beschäftigen. Das vorhandene Licht reichte nicht aus um mit einer großen Blende zu arbeiten und so entschied ich mich für einen hohen ISO Wert.

Der Kompromiss:

  • Die weise Rose und der braune Hintergrund sind sauber belichtet
  • Die rote Rose liegt ein wenig in der Unschärfe, ich konnte aber bei der vorhanden Belichtungszeit noch immer auf den Einsatz eines Stativs verzichten.

Zum Bildaufbau:

  • Der braune Hintergrund bringt die notwendige Ruhe ins Bild und gewährt den notwendigen Raum für das Motiv
  • Die drei Rosen bilden einen symbolischen Triptychon der die Ruhe im Bild verstärkt
  • Die grünen Blätter und Stiele der Rosen habe ich bewusst reduziert und mich auf das eigentliche Motiv der drei farbigen Rosen konzentriert.

Cool, man braucht kein großes Heimstudio um ein tolles Bild zu fotografieren. Die richtige Belichtung in Verbindung mit einem ausgeglichenen Bildaufbau ist der Schlüssel zu einem schönen Bild.

Stay tuned!

Euer Gerhard

Rosen

Weisheit,Stärke,Schönheit

Gastbeitrag: Fotograf/i/e/r/en – soziologisch betrachtet

Mein lieber Freund Gerhard hat mich ersucht, zu seinem Fotoblog etwas soziologischen Senf beizusteuern. Das will ich hiermit in der gebotenen Kürze gerne tun.

 

Zunächst soll gefragt werden, welche Aspekte in einer Soziologie des Fotografierens die wesentlichen der Betrachtung seien? Meines Erachtens zählen die drei folgenden dazu:

1.) eine sozialpsychologische Analyse von vorder- und hintergründigen Motivationen der Fotograf_innen,

2.) eine Sozialfolgenabschätzung rund um den technischen Apparat (insbesondere im Zeitalter der Digitalfotografie) und

3.) eine Theorie über Fotografie als Kunstwerk respektive als illustratives, aber keineswegs immer realistisches Dokument – zwischen Kunstgeschichte und Kommunikations- bzw. Medienwissenschaft.

Aber keine Bange – eine solche analytische Betrachtung würde den Rahmen eines Blogs sprengen und findet hier daher nur sehr verkürzt an einigen Exempeln festgemacht statt. In Wien gibt es derzeit zwei äußerst sehenswerte Ausstellungen zweier ganz großer Künstler, deren Besuch ich nur empfehlen kann (siehe Weblinks unten).


Meisterliche Beherrschung

Im fotografischen Frühwerk des späteren Starregisseurs Stanley Kubrick wird bereits seine einmalige handwerklich-kompositorische Begabung sichtbar – ebenso wie die psychologische Disposition, die in seinen späteren filmischen Meisterwerken viele der Schauspieler_innen zu grenzgenialen Darstellungen motivierte (man denke nur an die Nicholson/Duvall in „The Shining“ oder Cruise/Kidman in „Eyes wide shut“). Bei Kubrick als Fotograf wie auch als Regisseur war die charakterliche Neigung zu akribischer Vorbereitung und perfektionistischer Ausführung sowie eine persönlich wohl annähernd zwanghafte Liebe zum Detail – erkennbar in der Gestaltung seiner Sets – zweifelsohne vorhanden. Hinzu kam das inszenatorische Genie seine Bildkompositionen mal offensichtlich, mal versteckt mit Aussagen zu gestalten – bis hinzu subliminal gesendeten Botschaften, die sich aus seiner Kinematografie nur nach sorgfältiger Filmanalyse extrahieren lassen. In seinem Werk blieb also kaum etwas dem Zufall überlassen – ganz nach Kubricks Motto als Künstler: „Real is good, interesting is better!“

 

Soziokultureller Einblick

In Michelangelo Antonionis Kultfilm „Blow-up“ (1966) wird die Berufung des Gesellschaftsfotografen thematisiert. – Bevor noch die „Paparazzis“ als (notwendiges) Übel für die High Society gebrandmarkt wurden. Das Psychogramm eines voyeuristisch veranlagten Narzissten wird darin ebenso deutlich wie der aufklärerische „Erfolg“ des enthüllenden Bilddokuments. Wie in der gleichnamigen Schau in der Wiener Albertina diskutiert, steht das nachbearbeitete Foto („blow-ups“ sind Vergrößerungen) aber stets im Verdacht, eine Verfälschung der Realität zu reproduzieren. Oder eben auch – wie im Film – die dem Auge des Fotografen nicht unmittelbar erfassbare „Realität“ durch die mögliche vertiefende Betrachtung sogar zu erweitern. Beides Aspekte des Fotografierens, die sowohl in philosophischer Diskussion (etwa in Walter Benjamins Klassiker „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“) als auch in der Kommunikations- und Medienwissenschaft von zentraler Bedeutung sind.

Die Ausstellung „Blow-up“ referiert zur Lust am Fotografieren neben stylishen (Mode-)Shootings aber auch die sozialkritisch motivierte Ablichtung des Lebens abseits der Reichen und der Schönen. Eine Aufgabe, die heute vor allem von Pressefotografen erwartet wird – aber auch zunehmend von den zahlreichen bereits sehr kompetenten Amateur-Fotografen, die – seit der ersten, leicht zu bedienenden „Leica“ bis zur heutigen Digitalfotografie – täglich Abermillionen an Schnappschüssen zu produzieren imstande sind.

 

Und ewig lockt das Weib“

Wie an dieser Stelle unschwer vermutet werden darf, zählen zu den Lieblingsmotiven der noch stark überwiegend männlichen Fotografenschaft nach wie vor schöne Frauen. So auch zu sehen in der Galerie Westlicht, wo dem US-amerikanischen Fotografen Garry Winogrand die Schau „Women are beautiful“ gewidmet ist.

Inwieweit also die „Lust am Abdrücken“ einem libidinösen Trieb entspringt und/oder einer sublim ästhetischen Motivation folgt, sei nicht nur der wissenschaftlichen Diskussion überlassen. – Gerade auch in diesem Blog!


Links zu Ausstellungen:

Eyes wide open – Stanley Kubrick als Fotograf“

Blow up – Antonionis Filmklassiker und die Fotografie“

Garry Winogrand – „Women are beautiful“

 

 

Zur Person:
Dr. Bernhard Martin ist Redaktionsmitglied von „soziologie heute“ und lebt in Wien