Erzherzog Karl

Eine Frage der Perspektive


Man soll auch einmal die Perspektive wechseln um interessante oder gar neue Eindrücke eines Motivs zu fotografieren, meinen Profifotografen in allen Fotobüchern, Online Tutorials und Foto Workshops.

Als ich begann, mich ernsthaft mit der Fotografie auseinanderzusetzen, war mir die Relevanz der Perspektive noch nicht bewusst und ich beschäftigte mich zu viel mit den technischen Belangen der Fotografie.

Das verändern der Perspektive erfordert meist auch die Veränderung der eigenen Position zum Motiv, womöglich sogar das einnehmen einer unbequemen Körperhaltung. Wer kniet schon gerne auf Asphalt oder mit der Kamera am Waldboden, während sich die Ameisen dem Körper entlang arbeiten?

Ich selbst gehöre eher zur bequemen Fraktion der Fotografen und ich muss mich häufiger überwinden um wirklich gute Bilder fotografieren zu können.

Neulich war ich wieder für ein Wochenende in Wien und meine Kamera war natürlich mit dabei. Wien bietet schier unendlich viele interessante Motive und langweilig wird einem in der Tag und Nacht pulsierenden Stadt ohnedies nie. Ein Motiv, von welchem mir noch nie ein gutes Bild gelang, ist die Reiterstatue Erzherzog Karls von Anton Dominik Fernkorn am Wiener Heldenplatz.

Fernkorn hielt der psychischen und körperlichen Belastung des Auftrags nicht stand: Noch vor der Fertigstellung des Standbildes des Prinzen Eugen wurde er unter ärztliche Aufsicht gestellt und verbrachte schließlich den Rest seines Lebens in einer Irrenanstalt.
[Quelle: Die Welt der Habsburger]

Ich hatte mehr Glück als Fernkorn und dieses Mal näherte ich mich aus Richtung Volksgarten an die Statue. Durch die genaue Beobachtung fiel mir auf, dass der Blick des Erzherzogs nach hinten führt, der Rest der Statue jedoch nach vorne in Richtung der zweiten Statue des Prinzen Eugens ausgerichtet ist.

Aus der Portraitfotografie ist mir bekannt, dass Blicke die Spannung im Motiv erzeugen und den Betrachter ans Bild fesseln. Damit das Bild wirklich funktioniert, musste Ich nur mehr den Kontext zwischen dem Blick des Erzherzogs und der kriegerischen Körperhaltung der Statue herstellen.

Erzherzog Karl, der Bruder des Kaisers Franz II./I.,  besiegte in der Schlacht von Aspern als erster Feldherr Napoleon und war ein besonders mutiger Vertreter des Hauses Habsburg.

Ich bin mit dem Bildergebnis zufrieden, für mich hat sich das Wechseln der Perspektive jedenfalls gelohnt. Das Bild ist nicht langweilig und ich habe wieder etwas dazugelernt du werde meine Bequemlichkeit jetzt öfters beiseitelegen.

Viel Spaß beim Perspektive wechseln!

Stay tuned!
Euer Gerhard

p.s.:
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Link: Zwei Männer zu Pferd küren den Heldenplatz

 

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2 Gedanken zu „Eine Frage der Perspektive

  1. lugosvinzent

    Interessantes Bild! Mir ist aber nicht ganz ersichtlich, ob der Erzherzog direkt in die Kamera schaut oder knapp daneben vorbei.
    Generell ist bei Perspektivenwechsel immer der Einbruch der vierten Wand einen Versuch wert um den Betrachter in das Bild zu ziehen. Werde demnächst wohl auch mal was längeres über das Thema schreiben.

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  2. wurfmaul78 Autor

    Das ist eine gute Frage die Du stellst. Nein er sieht nicht direkt in die Kamera. Der Kopf ist leicht nach hinten überdreht. Er blickt prüfen seitlich und leicht nach hinten zu seinen Offizieren und Kämpfern, als Erzherzog repräsentiert er ja an vorderster Front den Willen des Kaisers. Das ist meine Antizipation, welche ist Deine?

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